Warum wir unser Leben gekündigt haben
Ist es normal, sein Leben so wie alle zu leben? Job, Heirat, Kinder, einen Baum pflanzen, ein Haus bauen. Jeden Tag pendeln und die Kinder den ganzen Tag nicht zu sehen. Ist es normal, seine Träume beim Erwachsenwerden Stück für Stück abzugeben?
Wir haben irgendwann aufgehört, das normal zu finden.
Der Entschluss
Es gibt keinen dramatischen Moment, an dem man solche Entscheidungen trifft. Eher ein langsames Werden. Ein Unbehagen, das größer wird. Das Gefühl, dass die Jahre vergehen und man dabei zusieht.
Es kam der Tag, an dem wir nicht mehr mitmachen wollten. An dem wir wieder reisen wollten – raus aus dem Alltag, rein in unsere Träume. Mit Anna und drei Kindern. Ohne festen Plan. Mit der Frage: Was findet man, wenn man aufhört, alles für selbstverständlich zu halten?
Was wir gesucht haben
Nicht Sehenswürdigkeiten. Nicht Listen. Nicht Fotospots.
Wir haben nach Tischen gesucht. Nach Küchen. Nach Töpfen, aus denen es dampft. Nach Brot, das noch warm ist. Nach Menschen, die kochen – und dabei erzählen, wer sie sind.
Denn man lernt verdammt viel über das Leben, wenn man anderen beim Kochen zusieht. Essen ist nie nur Essen. Es ist Herkunft, Stolz, Mangel, Wärme, Erinnerung, Familie. Das wollten wir unseren Kindern zeigen.
35.000 Kilometer. 60 Unterkünfte. 12 Länder.
Was wir gefunden haben
Wir waren als Familie 24 Stunden am Tag zusammen. Das war manchmal anstrengend. Aber es bedeutete auch: Wir mussten uns abends nicht fragen, wie der Tag war. Wir hatten ihn gemeinsam erlebt.
Ich denke an diese Abende zurück. Wir kamen irgendwo an, müde vom Fahren, die Kinder hungrig, der Kopf noch halb auf der Straße. Und dann stand da wieder ein Tisch. Jemand schenkte Wein ein. Irgendwo brutzelte etwas in der Pfanne. Brot wurde aufgeschnitten. Die Kinder aßen mit roten Wangen und diesem Hunger, der nur entsteht, wenn ein Tag wirklich ein Tag war.
In solchen Momenten habe ich begriffen: Reisen mit Familie bedeutet nicht, dem Leben zu entkommen. Sondern ihm näher zu kommen.
Was bleibt
Nicht Rezepte. Nicht Routen.
Zeit. Nähe. Gespräche. Märkte am Morgen. Der Geruch von Knoblauch in heißem Öl. Ein Messer auf Holz. Kinder, die mit am Tisch sitzen und nicht bespaßt werden müssen, weil das Leben selbst interessant genug ist.
Und das Kochen. Jahrelang habe ich über Köche geschrieben – erst über Politik, dann über Essen und Wein. Auf dieser Reise habe ich zum ersten Mal wirklich selbst gekocht. In fremden Küchen, mit unbekannten Zutaten, für eine hungrige Familie. Das war anders als alles davor. Das war meins.
Daraus ist dieses Buch entstanden.