Kochen hat mir das Leben gerettet.
Ich bin Patrick. Seit fünfzehn Jahren schreibe ich über Essen und Wein. Dass ich beim Kochen lange gar nicht richtig anwesend war, habe ich erst 2023 gemerkt.
Im Frühjahr gehorchten mir meine Hände manchmal nicht mehr, und mir wurde schwindlig. Der Arzt nahm mir Blut ab und sprach von mehreren Möglichkeiten. Eine davon sprach er nicht aus. Irgendwann sagte ich: „Sie meinen, in meinem Kopf könnte etwas sein, was da nicht hingehört.“
„Ja.“
Ein paar Tage später lag ich im MRT. Das Ding war laut, und ich wartete darauf, dass mir jemand sagt, ob in meinem Kopf etwas wächst. Da war nichts. Im Blut auch nicht.
Am Mittag danach stand ich in der Küche. Ich band mir die Schürze um, langsamer als sonst, nahm das Messer und schnitt eine Zwiebel. Sie lag kühl und feucht unter meinen Fingern. Ich hörte das Messer. Mir liefen die Tränen, wie jedem, der Zwiebeln schneidet. Tausende hatte ich vorher geschnitten und dabei telefoniert oder Musik gehört. Diese eine habe ich mitbekommen. Was es danach zu essen gab, ist egal.
Ich habe einfach weitergemacht, jeden Tag. Die Musik blieb aus, telefoniert wurde später. Ich roch, wann die Butter nussig wurde, und stach mit dem Messer in eine Kartoffel, um zu prüfen, ob sie gar war. Ich wollte endlich verstehen, was ich am Herd tue und warum es funktioniert, und wurde dabei allmählich ein besserer Koch. Für jemanden, der seit fünfzehn Jahren anderen das Essen erklärt, kam das reichlich spät.
Dazu kam das Brot. Manche Brote werden fantastisch. Beim nächsten machst du alles genauso und kriegst keine Spannung in den Teig. Es reißt, wo es nicht reißen soll, wölbt sich komisch nach oben, und du stehst davor und denkst: What the hell? Dann backst du trotzdem weiter.
Wochen später tastete eine Physiotherapeutin meinen Nacken ab und fand massive Verspannungen. Stress. Irgendwann merkte ich, dass ich mich auf meine Hände wieder verlassen konnte.
Ein Topf Nudeln repariert kein Leben. Kochen hat mir meins trotzdem gerettet.
Was ich mache
Ich schreibe für die Süddeutsche Zeitung, Effilee und Vinum und verkoste für den Vinum Weinguide. Ich kenne die Weinkarten der Sternerestaurants. Getrunken wird dort nach Preis und Punkten. Dem eigenen Gaumen traut kaum jemand.
Im Frühsommer 2026 habe ich zwei Wochen bei Fred Ménager im Burgund gearbeitet, im Geflügelstall, im Gemüsegarten und in der Restaurantküche. Fred ist tätowiert, trägt einen ZZ-Top-Bart und hat bei Alain Chapel und Pierre Gagnaire gekocht, bevor er der Sterneküche den Rücken kehrte und anfing, alte Geflügelrassen zu züchten. In seiner Küche steht eine große Musikbox, die nur einer bedienen darf, nämlich Le Chef. So nennen ihn dort alle. Meistens läuft Rock oder Metal.
In die Zeit, in der meine Hände streikten, fiel noch eine Entscheidung. Meine Frau Anna und ich kündigten das Haus am Starnberger See und fuhren mit unseren drei Kindern ein Jahr durch Europa. Zwölf Länder, 60 Unterkünfte, und an den meisten Sehenswürdigkeiten sind wir vorbeigefahren, weil wir lieber bei Winzern und Bauern am Tisch saßen. Daraus wurden das Buch Travel & Taste und ein Podcast.
Nach einem Jahr in Südfrankreich leben wir jetzt in Bromskirchen in Nordhessen. Der Sauerteig ist mit umgezogen. Brot backe ich fast jeden Tag, ohne Feinwaage und ohne nachts aufzustehen. Wie das geht, zeige ich in Brot ohne Bullshit, meinem Onlinekurs in 33 kleinen Schritten.
Aus der Geschichte mit der Zwiebel entsteht gerade ein Vortrag: Fang an zu kochen. Wenn du mich dafür auf deine Bühne holen willst, schreib mir.
In meinem Newsletter schreibe ich dienstags eine Geschichte aus meiner Küche und freitags etwas zum Nachkochen. Trag dich ein. Ich melde mich.