Warum ich „Fressen und Saufen“ sage – und was ich damit meine
Ich sage Fressen und Saufen, weil Essen und Trinken nach Tischdecke klingt. Nach Sonntagsbesuch bei den Schwiegereltern, nach Stoffservietten und dem richtigen Glas für den richtigen Wein. Aber so leben die meisten nicht.
Die meisten stehen um 18 Uhr in der Küche und wissen nicht, was sie kochen sollen. Die meisten bestellen im Restaurant den zweiten Wein auf der Karte, weil der erste zu billig wirkt und der dritte zu teuer. Die meisten haben mal Sauerteig angesetzt und nach vier Tagen aufgegeben.
Für die schreibe ich.
Sauerteig ist ein Lifestyle-Accessoire geworden. Instagram-Content. Hydration-Diskussionen in Facebook-Gruppen, in denen sich Leute anschreien, weil jemand sein Brot nicht mit einer Rasierklinge eingeritzt hat. Wer nicht dazugehört, fühlt sich draußen.
Beim Wein dasselbe. Parker-Punkte, Dekanter-Scores, selbsternannte Experten, die dir erklären, dass dein Geschmack falsch ist. Wein als Distinktionsmerkmal. Nicht als das, was er ist: ein verbindendes Element über Tische und Länder hinweg.
Und Kochen? Rezepte mit 27 Zutaten. „Einfach mal nach Gefühl“ und „Gelinggarantie“ von Leuten, die seit 20 Jahren professionell am Herd stehen. Kochshows, in denen jeder Teller aussieht wie ein Kunstwerk und jeder Satz klingt wie ein Werbetext.
Aber im normalen Leben kommst du nach der Arbeit Uhr nach Hause, der Kühlschrank ist eher halbleer als halbvoll und die Kinder haben Hunger. Was du dann machst, das ist Kochen.
Essen und Trinken schließen aus statt einzuladen. Das ist das Problem.
Ich bin Journalist. Fünfzehn Jahre Essen und Wein – Süddeutsche Zeitung, Vinum, Feinschmecker, Gault&Millau. Ich habe über Köche geschrieben, über Winzer, über Bäcker und Bauern. Ich habe Fragen gestellt, Fotos gemacht und bin dann nach Hause gegangen. Dabei wäre ich lieber geblieben, hätte gern den Stift gegen die Hacke getauscht, das Hemd gegen die Schürze.
Dann sind wir ausgebrochen. Mit Anna und den drei Kindern ein Jahr durch Europa, immer in den Küchen, immer auf der Suche nach dem guten Geschmack. In Griechenland hat mir ein Koch gezeigt, dass man sich die Erlaubnis selbst geben muss. In Burgund hat ein anderer Koch gesagt: Nimm dein Ego raus. In der Champagne haben wir mit Didier und Isabelle getrunken, bis wir nicht mehr wussten, wie wir ins Bett gekommen sind. Daraus wurde ein Buch: Travel & Taste.
Jetzt lebe ich in Südfrankreich. Ich backe jeden Tag Brot. Auf der ganzen Reise habe ich gebacken – in jeder Küche, in jedem Land. Daraus ist ein Brotkurs entstanden. 33 Tage, 49 Euro, kein Abo. Kein Rezeptbuch – eine Erklärung. Wer verstehen will, was Brot ist, warum es so funktioniert und wie man es in den Alltag bringt, ist hier richtig.
Und dieser Blog. Geschichten von Köchen, Winzern, Bäckern – Menschen, bei denen ich war und von denen ich etwas mitgenommen habe. Dazu Alltagsrezepte ohne Pose. Und in meinem Newsletter erzähle ich jeden Dienstag aus dem Leben und Freitags aus meiner Küche. Ich bin kein Foodie. Ich bin jemand, der isst. Jeden Tag. Und der will, dass es stimmt. Das ist alles.
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